Willkommen in der größten Wandelhalle Europas
Anstelle einer kleinen, hölzernen Wandelhalle erbauten die Architekten Heinz Moll und Ernst von den Felden 1929 die größte Wandelhalle Europas mit Konzertsaal. Die Eröffnung der 120 m langen und 15 m breiten Wandelhalle fand dann nach nur einem Jahr Bauzeit 1930 statt. Nicht nur der Ort, sondern vielmehr auch die Fachwelt nahmen die mittlerweilen denkmalgeschützte Wandelhalle begeistert auf.
"Die künstlerische Erscheinung ist das Ergebnis des Gebrauchsmäßigen", lobte Professor Josef Popp im "Baumeister" Anfang der 30er Jahre die Leistung der Architekten. Ein gelungenes und sehenswertes Bauwerk sei entsanden, das gleichermaßen modern und funktional sie und sich dennoch harmonisch und schön in das Ortsbild un den Herderpark einfüge.
Ursprünglich kamen die Kurgäste, holten sich am Brunnen in der Trinkhalle Jodwasser und tranken es in kleinen Schlucken, während sie auf- und abwandelten. Dazu spielte im Konzertsaal ein kleines Streichorchester.
Die Innenarchitektur und Einrichtung gestaltete Prof. Josef Hillerbrand, ein Schüler des Architekten Gabriel von Seidl (Bad Tölz: Kurhaus; München z.B. Lenbachhaus, das Deutsche Museum, die St. Anna Pfarrkirche). Prof. Hillerbrand hat unter anderem die Marktstrasse Bad Tölz in ihrer heutigen Form stark mitgestaltet, war der Architekt des Herderparks, hat maßgeblich an der Erneuerung des Jodquellenhofs mitgewirkt und war der Mitbegründer der Deutschen Werkstätten in München.
Betreten wurde das mondäne Gebäude durch die Trinkhalle, in der früher das Jodwasser zu Kurzwecken ausgegeben wurde. Die 11m hohe Rotunde mit einem Durchmesser von 18m wird bewacht von Hygieia, der griechischen Göttin der Gesundheit. Ihr Bildhauer, Prof. Josef Henselmann, war damals Leiter der Kunstakademie München, wobei der Hochaltar im Passauer Stephansdom und der Brunnen am Rindermarkt in München zu seinen bekanntesten Werken zählen.
Nachdem sowohl in der Trink- als auch in der Wandelhalle nur hochwertigste Materialien verwendet wurden, sollten dennoch als Besonderheit die Stuccolustrowände in der Trinkhalle hervorgehoben werden. Stucco lustero (ital. blanker Stuck) ist ein Freskoverfahren (nass in nass), mit dem vorwiegend Marmor imitiert wird. Bei der hochwertigen Spachteltechnik werden natürliche Rohstoffe verwendet, wie z.B. 2 Jahre alter holzgebrannter Sumpfkalk und Marmormehl. Somit lassen sich mit Stuccolustro faszinierende Oberflächen im Innenbereich gestalten, die den Glanz und die Transparenz von poliertem Marmor besitzen.
Für das wertvolle Jodwasser kamen früher 3 Quellen zum Ausschank:
- Sauersberg B8
- Tölzer Jodquelle
- Adelheidquelle (in Bad Heilbrunn)
Auch nach der Einstellung des Trinkkurbetriebes ist die Trink- und Wandelhalle im Herderpark ein belebter Markstein im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt geblieben. Junge Künstler arbeiten hier als Stipendiaten der Jodquellen AG und stellen ihre Arbeiten aus. In der Trinkhalle ist heute ein beliebtes Ausstellungscafé etabliert, in dem man in außergewöhnlichem Ambiente unter anderem auch eine Tasse Espresso mit hausgemachtem Kuchen genießen kann.
Einmalig gelegen, mitten im historischen Herderpark
Karl Raphael Herder legte 1860 mit der Gründung der Jodquellen AG den Grundstein für den Kurbetrieb in Bad Tölz. Der nach ihm benannte, bereits 1850 gebaute Herdperak ist ein vielschichtig gestaltetes grünes Ruheidyll inmitten der Stadt. Prägen klare Formen und strenge Wege den westlichen Teil des Parks, der auf den Musikpavillon ausgerichtet ist, so bestimmt im Osten des Park der Weiher das Bild. Dieser Teil des Herderparks ist einem englischen Park nachempfunden. Der herrliche alte Baumbestand stammt aus der Zeit um 1860.